Geschichte zur Entstehung der Märkte Untergriesbach und Obernzell

Die Märkte Untergriesbach und Obernzell verdanken ihre Entstehung und ihr wirtschaftliches Gedeihen dem Griesbacher Ortsadelsgeschlecht und ihrer verkehrsgünstigen Lage. (Unter-)Griesbach war der Mittelpunkt des Besitzes dieser Adelsfamilie. Ihre Burg, die vermutlich im 10. Jahrhundert zum Schutz gegen die Ungarn erbaut worden war, lag einen Kilometer südöstlich des Marktes auf dem Platz, der heute noch "Vorm Haus" heißt. 1217 und 1220 ist diese Burg als "castrum Griezpach" belegt. Sie war der Ansatzpunkt für die Entstehung der beiden Märkte: Obernzell war zunächst offenbar nur Anlageplatz für die hoch über der Donau gelegene Burg Griesbach. Der Siedlungskern ist wohl bei den "Bachlern" zu suchen, einer Streusiedlung, die in hochwasserfreier Lage auf einem Hang über dem Markt liegt. Die sumpfige, von Überschwemmung bedrohte Niederung am Ufer der Donau hat man in ältester Zeit gemieden; erst mit wachsender Bedeutung des Ortes als Lände und Stapelplatz wurde die Uferzone kultiviert und bebaut. Vermutlich wurde die Marktsiedlung am Donauufer bei der Marktrechtsverleihung im 13. Jahrhundert angelegt. Der Ortskern von (Unter-)Griesbach sind die Häuser, die sich nach Art eines Haufendorfs um die Pfarrkirche St. Michael gruppieren. An diese Ursiedlung wuchs entlang der Straße nach Wegscheid ein Straßendorf mit einer breiten Marktstraße an.
Die ältesten Urkunden nennen "die beiden Griesbach" (so 1359) meist gemeinsam. Das auf dem Berg gelegene Griesbach erhielt die Beifügung "am hohen Markt"; der Name "Untergriesbach" zur Unterscheidung von Griesbach im Rottal wurde erst im 19. Jahrhundert üblich. Das an der Donau gelegene Griesbach erhielt die Zusätze "am niedern Markt", "in der Zell". 1505 erscheint dafür zum ersten mal zur Unterscheidung von dem benachbarten Ort "Niedernzell" (=Engelhartszell) der Name Obernzell und 1574 "Hafnerzell", doch dieser Name wurde durch den Namen Obernzell wieder verdrängt. Um das Jahr 1220 starb das Ortsadelsgeschlecht aus; sein Besitz kam zum Hochstift Passau. Von da an gingen die beiden Siedlungen eigene Wege. Die Verleihung der Marktrechte an (Unter-)Griesbach durch Bischof Otto von Lonsdorf (1254 bis 1265) indes bezog sich auf beide Orte, die damals noch eine topographische Einheit bildeten. Diese Marktrechtsverleihung ist wohl im Jahr 1263 erfolgt, wenngleich die jüngste Forschung in der Abschrift der Verleihungsurkunde aus diesem Jahr, die der in Obernzell tätige Notar Nikolaus Praunfalk im Jahr 1599 hergestellt hat, eine formale Fälschung erkannt hat. Da die Unterlagen darüber zu Verlust gegangen waren, zog sich der Prozess der Bestätigung der alten Privilegien über Jahrhunderte hin. Auch der Privilegienbestätigung vom Jahr 1791 durch Fürstbischof Joseph Franz Anton von Auersperg (1783 bis 1795) lag nur eine vom Markt (Unter-)Griesbach selbst zusammengestellte "Freiheitspunktenordnung" zugrunde. Doch in beiden Märkten hatte man die Marktrechte schon Jahrhunderte lang praktiziert.

In wirtschaftlicher Hinsicht waren beide Märkte im Lauf der Zeit getrennte Wege gegangen. Untergriesbach hatte sich bis zum Ende des Hochstifts zu einem Ort der Weber entwickelt: Es gab dort nicht weniger als 44 Leinweber. Diese uralte Tradition ist erloschen. Der "Weberverein" wurde 1870 aufgelöst. Seither hatte sich der Markt Untergriesbach im Gegensatz zum Nachbarmarkt Obernzell in der Hauptsache landwirtschaftlich orientiert. Erst in jüngster Zeit hat sich Untergriesbach zu einem Schulort und zu einem Einkaufszentrum entwickelt. Das blühende Wirtschaftsleben des Marktes Obernzell gründete sich auf seine Stellung als Umschlagplatz für Amberger und steirisches Eisen, das hier abgeladen wurde und dann seinen Weg zu den Hammerwerken des Unteren Waldes nahm. Ein kleiner Teil dieses Roheisens wurde von den in Obernzell ansässigen Waffen-, Zeug- und Grobschmieden selbst verarbeitet. Dazu kam die "Urfar" von Obernzell: Hier nahm das Salz seine Weg über die Donau, das auf der Salzstraße aus Schärding kam und über Untergriesbach-Wegscheid ins Obere Mühlviertel und nach Böhmen verfrachtet wurde. Schließlich ließen die Graphitlager des Obernzeller Hinterlandes, um die Orte von Untergriesbach und vor allem um Kropfmühl, in Obernzell ein beachtliches Hafnerhandwerk entstehen, das dem Ort den Namen "Hafnerzell" gegeben hat. Heute sind diese Graphitvorkommen bei Kropfmühl Gegenstand industriellen Bergbaues.
Quelle: In Auszügen entnommen aus "Niederbayern" Band I (Dritte, neubearbeitete Auflage, Landshut 1993)

 Im ehemaligen Altlandkreis Wegscheid sind somit Untergriesbach und Obernzell, Gründung bzw. Erhebung zum Markt gemeinsam im 13. Jahrhundert,  die ältesten Märkte im ehemaligen Hochstift Passau.
Quelle: In Auszügen entnommen aus "Niederbayern" Band II (Dritte, neubearbeitete Auflage, Landshut 1993)     

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